Trauma Heilung durch Tantra? – Und wenn ja, dann wie?
Wer beim Wort „Tantra“ lauter Bilder der schwülstigen S_ex Orgien in den Sinn bekommt und bei „Trauma“ ans Schleudern denkt, wird die beiden vermutlich nicht zusammenbringen können. Beim näheren Betrachten können sich Tantra und Traumaheilung jedoch als zwei hoch kompatible Partner erweisen.

So ist ein psychisches Trauma (griech. Wunde) eine im Körper blockierte Energie samt der Traumagefühlen, von denen wir meist abgespalten sind oder die wir auf eine andere Weise abwehren. Damit fallen wir aus der All-Verbundenheit – aus der LIEBE –, und größtenteils aus dem Herzen, aus dem Becken, aus dem Körper… Durch die zahlreichen Überlebensstrategien sind wir in unserer Verletzlichkeit nicht vollumfänglich im Kontakt und entwickeln eine falsche Identität, die auf der Identifikation mit den Überlebensanteilen basiert.
Energetisch gesehen, leben wir dadurch das Leben einer Sparflamme. Bis wir eines Tages aufwachen und den Ruf im Inneren spüren: „Ich bin mehr!“

Viele von uns begeben sich auf die Reise zur Wiedererlangung der vollen Lebendigkeit…
Und hier kommt Tantra ins Spiel.

Tantra (sanskritisch तन्त्र) bedeutet wörtlich „Gewebe, Kontinuum, Zusammenhang“. In der tantrischen Spiritualität und Philosophie geht es folglich darum, sich mit allem zu ver-weben, zu verbinden – es geht um eine innere Reise ins All-Ein(s)-Sein. Der Unterschied zu den anderen spirituellen Strömungen, ist dass die sexuelle Energie, die Lust, die Sinnlichkeit, die Körperlichkeit willkommen sind im Tantra. Die Kundalini Energie darf neben der Herzensenergie genutzt werden, um die inneren Blockaden zu lösen.

Seit dem Osho Tantra in den Westen gebracht hat, sind hier viele pseudo-tantrischen „Stilbluten“ entstanden, die vor allem die freie, von sich abgespaltene, aufs Tun ausgerichtete Sexualität (und sexuelle „Befreiung“) propagieren. Für traumatisierte Menschen, die kaum eine Möglichkeit hatten, ihre Bedürfnisse und Grenzen, ihren Willen und autonomen Raum auszubilden und zu erkunden, oder für sexuell missbrauchten Menschen ist das Tantra dieser Art meist sehr re-traumatisierend.

Das wahre Tantra gründet in der Stille, in dem stillen Gewahrsein dessen, was ist. Das wahre Tantra weißt darum, dass die Verbindung mit einem anderen Wesen nur dann möglich ist, wenn wir mit unserer eigenen Verletzlichkeit verbunden sind, wenn wir präsent sind mit allem im Hier und Jetzt. Das wahre Tantra fördert dein mit dir In-Kontakt-Kommen, dein Dich-Achten mit deinen Bedürfnissen und Grenzen und ermutigt dich auch deine falschen, aufgestülpten Grenzen zu sprengen.

Eine heilsame Erfahrung wird dies jedoch nur sein, wenn du gelernt hast als Erwachsener die Verantwortung für dich – für all deine inneren Anteile, für all deine Bedürfnisse, für all dein Tun – zu übernehmen. Folglich können wir kein heilsames Tantra machen, ohne dass wir das therapeutische Arbeiten und das Wissen um die inneren traumabedingten Mechanismen mit einbeziehen.

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